Ein historischer Stuhl wird frei

Der scheidende Präsident hat die schwere Eichentür seines Büros gestern endgültig hinter sich geschlossen. Seit der Wiedervereinigung wechselte das Amt stets zwischen Christ- und Sozialdemokraten, zuletzt übernahm es ein CDU-Politiker. Nun jedoch, nach einer Wahl, die das politische Koordinatensystem von Sachsen-Anhalt verschoben hat, steht plötzlich eine Partei in der ersten Reihe, deren Kandidat noch vor wenigen Jahren von den etablierten Kräften boykottiert worden wäre.
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Auf der Zuschauertribüne herrscht gespannte Stille: Politiker, Diplomaten und Journalistinnen warten gleichermaßen auf ein Ergebnis, das weit über die Landesgrenzen hinaus Signalwirkung haben könnte. Draußen skandieren Demonstrierende Parolen gegen Rechts, während einige Passant:innen nur kopfschüttelnd weitergehen – ahnend, dass dieses Votum das Selbstverständnis deutscher Landesparlamente verändern könnte.
