Massiver Datenleak bei der AfD: Interne Mails sollen rassistische Hetze und Holocaust-Leugnung enthalten.H

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AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla
Hacker haben sich Zugang zu E-Mail-Postfächern der AfD verschafft. (Symbolbild) © Michael Kappeler/dpa

Hunderttausende AfD-Mails sind nach einem Hackerangriff im Netz aufgetaucht. Die Hintergründe sind unklar, die Inhalte drastisch.

Nach einem Hackerangriff auf einen Dienstleister der AfD sind nach Angaben der Partei Daten aus älteren E-Mail-Postfächern, die offenbar seit Jahren nicht mehr im Gebrauch waren, kopiert worden. Im Internet sollen rund 421.000 Nachrichten veröffentlicht worden sein. Eine Auswahl der internen Mails, deren Echtheit bislang nicht unabhängig bestätigt ist, enthält wohl rassistische und antisemitische Hetze, Holocaust-Leugnung sowie Gewaltfantasien. Dies geht aus Kurz-Zusammenfassungen hervor, die auf der Website, die die Mails geleakt hat, den Inhalt jeder einzelnen Mail in Kurzfassung wiedergeben.

AfD bestätigt Hackerangriff auf Mail-Postfächer

Die AfD hat bestätigt, dass es im September 2026 zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister der Partei gekommen sei. Dabei seien offenbar Teile einiger weniger E-Mail-Postfächer unrechtmäßig kopiert worden. Die meisten betroffenen Konten seien seit Jahren nicht mehr genutzt worden, erklärte ein Parteisprecher. Die aktuellen E-Mail-Postfächer des Bundesverbandes seien nicht betroffen gewesen.

Nach Angaben der unbekannten Betreiber einer Internetplattform, die die Mails veröffentlicht haben, handelt es sich bei den veröffentlichten Daten um 421.179 E-Mails mit einem Gesamtumfang von 281 Gigabyte. Die AfD erklärte, der Angriff sei rasch erkannt und gestoppt worden. Die nun erfolgte Veröffentlichung werde geprüft. Eine belastbare Einschätzung zum Umfang und zur Echtheit der Inhalte sei erst nach Abschluss dieser Prüfung möglich.

Die Plattform selbst gibt nach den vorliegenden Informationen keine Auskunft über die Herkunft der Daten. Die tatsächliche Authentizität der veröffentlichten Nachrichten und ihre Verbindung zum Hackerangriff sind bislang nicht abschließend geklärt.

Zusammenfassungen beschreiben rassistische und antisemitische Inhalte

Eine Auswahl der veröffentlichten Nachrichten wird in vorliegenden Zusammenfassungen auf der Veröffentlichungsplattform mit besonders drastischen rassistischen und antisemitischen Aussagen in Verbindung gebracht. Demnach sollen in Mails, die an AfD-Stellen oder innerhalb der Partei weitergeleitet wurden, unter anderem entmenschlichende Bezeichnungen für Schwarze Menschen und Muslime, antisemitische Verschwörungserzählungen sowie Aufrufe zu Gewalt enthalten sein.

Eine Zusammenfassung beschreibt etwa eine Nachricht eines AfD-Mitglieds, in der rassistische Beschimpfungen verwendet und politische Gegner mit drastischen Ausdrücken angegriffen worden sein sollen. In einer weiteren Mail an das Bundesschiedsgericht der Partei sollen antisemitische Aussagen, Verschwörungserzählungen und ein Aufruf zum Erschießen von Menschen, die als Eindringlinge dargestellt werden, enthalten gewesen sein.

Weitere Zusammenfassungen beschreiben umfangreiche rechtsextreme Textsammlungen, die an eine AfD-Geschäftsstelle weitergeleitet worden sein sollen. Darin sollen sich rassistische und antimuslimische Hetze, antisemitische Aussagen, Holocaust-Relativierung sowie Gewaltfantasien finden. Eine der beschriebenen Nachrichten soll unter anderem die Vernichtung von Jüdinnen und Juden gefordert haben. Da auf der Website nur Zusammenfassungen der ausgewählten Mails vorliegen, lassen sich der genaue Wortlaut, der vollständige Zusammenhang und die Authentizität der einzelnen Nachrichten nicht unabhängig überprüfen.

Antisemitische Verschwörungserzählungen im Umfeld der Bundesgeschäftsstelle

Mehrere der beschriebenen Nachrichten sollen antisemitische Verschwörungserzählungen enthalten, die innerhalb der Partei verbreitet oder weitergeleitet worden seien. Eine Zusammenfassung ordnet einem Mitarbeiter der AfD-Bundesgeschäftsstelle intern versandte Texte zu, in denen angebliche Weltverschwörungen in Verbindung mit jüdischen Menschen thematisiert werden.

Besonders drastisch wirken die Zusammenfassungen zu Nachrichten, in denen der Holocaust geleugnet oder die nationalsozialistischen Verbrechen infrage gestellt worden sein sollen. Es seien Texte verbreitet worden, die die Existenz von Gaskammern anzweifelten, den Holocaust als angebliche Erfindung bezeichneten oder eine Einstellung der Strafverfolgung wegen Volksverhetzung forderten.

Eine weitere Zusammenfassung beschreibt eine Nachricht, die an den AfD-Bundesvorstand gegangen sein soll und den früheren AfD-Politiker Wolfgang Gedeon verteidigt habe. Dabei sollen ebenfalls Zweifel an den Gaskammern und am Holocaust geäußert worden sein. Gedeon, zwischen 2016 und 2021 Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, war mit antisemitischen Äußerungen sowie Verschwörungstheorien und den daraus resultierenden parteiinternen Machtkampf in der AfD bekannt geworden.

Gewaltfantasien und mögliche Einschüchterungspläne

Die Zusammenfassungen beschreiben außerdem Nachrichten mit Gewaltfantasien gegen Geflüchtete und politische Gegner. In einem Fall soll ein AfD-Mitglied in einer WhatsApp-Gruppe der Partei einen Witz darüber verbreitet haben, Geflüchtete zu Handtaschen oder Stiefeln zu verarbeiten. Die Anspielung auf nationalsozialistische Konzentrationslagerpraktiken sei mit der Reaktion „Zu geil!“ begrüßt worden. Ein Antrag auf Parteiausschluss sei anschließend von einer AfD-Stelle weitergeleitet worden.

Eine andere Zusammenfassung betrifft eine interne Diskussion über die Akkreditierung eines Fotografen mit Verbindungen zur Antifa. Ziel sei es gewesen, ihn in einen Hinterhalt zu locken und physisch anzugreifen. Die Nachricht soll mit einer Grußformel mit den Worten „Heil und Sieg“ geendet haben; ein Funktionär habe den Plan befürwortet.

Auch eine angeblich von AfD-Chefin Alice Weidel weitergeleitete Nachricht wird in einer der Zusammenfassungen erwähnt. Sie soll antisemitische Verschwörungserzählungen über Israel und rassistische Beschimpfungen enthalten haben. Demnach sei der Text an die Parteiführung weitergeleitet worden. Ob die Zusammenfassung den vollständigen Inhalt und den Kontext der Nachricht korrekt wiedergibt, lässt sich anhand der bislang vorliegenden Angaben nicht feststellen.

AfD prüft Veröffentlichung – Echtheit weiterhin offen

Die AfD bemüht sich nach dem Bekanntwerden des Datenlecks um eine Einordnung des Vorfalls. In einer internen E-Mail an die Landesverbände soll die Parteiführung mitgeteilt haben, dass der Angriff auf den Hosting-Dienstleister bereits im September erkannt und beendet worden sei. Die aktuelle Korrespondenz des Bundesverbandes sei nach Angaben der Partei nicht betroffen gewesen, teilte die AfD auf Anfrage laut der Tagesschau mit.

Neben den beschriebenen Nachrichten sollen sich in dem Datenbestand auch personenbezogene und vertrauliche Dokumente befinden. Berichten zufolge zählen dazu Ausweisfotos, Rechnungen, Kontoauszüge, Zeugnisse, Mitgliedsanträge und Mitgliederlisten von AfD-Kreisverbänden in Nordrhein-Westfalen. (Quellen: BZ, Tagesschau, Bild, Deutschlandfunk, eigene Recherche) (bb)

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