Die AfD verbündet sich mit ihrer italienischen „Schwesterpartei“ Futuro Nazionale. Die Parteien fordern eine Vereinigung rechter Kräfte in Europa. hyn

Die AfD verbündet sich mit ihrer italienischen „Schwesterpartei“ Futuro Nazionale. Die Parteien fordern eine Vereinigung rechter Kräfte in Europa.

Die politische Rechte in Europa rückt in mehreren Ländern enger zusammen. Für besondere Aufmerksamkeit sorgt derzeit die Annäherung zwischen der deutschen Alternative für Deutschland (AfD) und der italienischen Partei Futuro Nazionale des ehemaligen Generals Roberto Vannacci. Beide politischen Kräfte haben ihre Zusammenarbeit öffentlich hervorgehoben und sprechen von einer europäischen politischen Strömung, die nationale Grenzen überschreitet.

Der gemeinsame Auftritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem rechte und nationalkonservative Parteien in mehreren europäischen Ländern an Unterstützung gewinnen. Gleichzeitig bleiben die politischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Parteien erheblich. Auch innerhalb der europäischen Rechten existieren unterschiedliche Vorstellungen über die Europäische Union, die Außenpolitik, die wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Umgang mit Russland.

Gemeinsamer Auftritt in Italien

Im Mittelpunkt der jüngsten Annäherung steht eine Veranstaltung in Italien, bei der Roberto Vannacci den AfD-Politiker Marc Jongen vorstellte. Vannacci, der Futuro Nazionale im Jahr 2026 gegründet hat, positioniert seine Partei rechts von der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Jongen betonte bei seinem Auftritt seine persönliche Verbindung zu Italien. Er wuchs im deutschsprachigen Südtirol auf und erklärte, Italienisch sei seine zweite Muttersprache. Gleichzeitig stellte er die politische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien in einen größeren europäischen Zusammenhang.

Nach Angaben der Frankfurter Rundschau sagte Jongen, Deutschland und Italien müssten lernen, Seite an Seite zu gehen, ohne in einer einheitlichen europäischen Struktur aufzugehen. Er sprach von einer europäischen Rechten, die sich über nationale Grenzen hinweg erstrecke.

Damit wird ein zentraler Punkt der Zusammenarbeit deutlich: Die beteiligten Parteien wollen eine stärkere Kooperation rechter Kräfte, ohne daraus zwangsläufig eine stärkere politische Zentralisierung der Europäischen Union abzuleiten.

Futuro Nazionale ist eine junge politische Kraft

Futuro Nazionale existiert erst seit Februar 2026. Gründer und Vorsitzender ist Roberto Vannacci, ein ehemaliger italienischer General, der zuvor der Lega angehörte.

Die neue Partei versucht, sich als eigenständige Kraft innerhalb des italienischen rechten Spektrums zu etablieren. Dabei setzt sie insbesondere auf Themen wie Migration, nationale Souveränität und traditionelle gesellschaftliche Werte.

Die Partei konnte in relativ kurzer Zeit Aufmerksamkeit gewinnen. Eine Anfang September veröffentlichte SWG-Umfrage sah Futuro Nazionale bei 7,5 Prozent und damit knapp vor Forza Italia, die in derselben Erhebung auf 7,1 Prozent kam. Damit wurde Futuro Nazionale zu einer der bedeutenderen politischen Kräfte Italiens in den damaligen Umfragen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Partei bereits über eine vergleichbare organisatorische oder parlamentarische Struktur wie die etablierten italienischen Parteien verfügt. Ihr Aufstieg ist noch relativ jung und hängt stark von der politischen Bekanntheit Vannaccis ab.

Vannacci sucht die europäische Zusammenarbeit

Vannacci sieht seine Partei als Teil einer größeren politischen Entwicklung in Europa. Bei einem Wirtschaftsforum am Comer See kritisierte er die politische Integration der Europäischen Union und forderte eine stärkere Konzentration auf nationale und kulturelle Identitäten.

Nach einem Reuters-Bericht bezeichnete er die Europäische Union als eine Struktur, die sich stärker auf Zusammenarbeit als auf politische Zwangsmechanismen konzentrieren sollte. Gleichzeitig verwies er auf den Aufstieg rechter Parteien in Deutschland und Frankreich.

Diese Positionen erklären teilweise die Nähe zur AfD. Beide Parteien betonen nationale Souveränität und stehen einer weiteren politischen Zentralisierung der EU kritisch gegenüber.

Die AfD und Futuro Nazionale sind jedoch nicht in allen Fragen identisch. Auch Jongen räumte bei der gemeinsamen Veranstaltung ein, dass zwischen den Parteien politische Unterschiede bestehen, die noch geklärt werden müssten.

Migration als gemeinsames Thema

Eines der wichtigsten verbindenden Themen ist die Migrationspolitik. Bei der Veranstaltung in Italien erhielt die Kritik an Migration laut dem Bericht der Frankfurter Rundschau besonders viel Zustimmung aus dem Publikum.

Jongen stellte einen Zusammenhang zwischen dem Aufstieg der AfD und der deutschen Flüchtlingspolitik der Jahre 2015 und 2016 her. Er kritisierte insbesondere die damalige Politik unter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Futuro Nazionale verfolgt ebenfalls eine restriktive Position bei Migration. Reuters berichtete, dass die Partei sich unter anderem gegen Masseneinwanderung richtet und Maßnahmen gegen Migranten fordert, die sich nach ihrer Auffassung nicht in die italienische Gesellschaft integrieren.

Damit gibt es eine deutliche politische Schnittmenge. Gleichzeitig unterscheiden sich die nationalen politischen Rahmenbedingungen. Deutschland und Italien stehen vor unterschiedlichen wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Herausforderungen.

Unterschiedliche Positionen zur Ukraine

Besonders deutlich werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Außenpolitik.

Vannacci vertritt eine Position, die einen schnellen Abschluss des Ukraine-Krieges fordert. Er bezeichnete den Krieg nach Reuters-Angaben als bereits verloren und spricht sich gegen eine Fortsetzung der militärischen Unterstützung für die Ukraine aus.

Auch die AfD fordert eine Veränderung der deutschen Ukraine-Politik und lehnt die derzeitige Unterstützung der Ukraine in ihrer bisherigen Form ab.

Die italienische Regierung von Giorgia Meloni verfolgt dagegen eine andere Linie. Euronews berichtete im September, dass Meloni weiterhin die Unterstützung der Ukraine und die Zusammenarbeit mit europäischen und transatlantischen Partnern befürwortet.

Damit befindet sich Futuro Nazionale in einer Position, die sich außenpolitisch von Melonis Regierungspartei Fratelli d’Italia unterscheidet. Gerade diese Differenz könnte für die zukünftige Entwicklung der italienischen Rechten eine wichtige Rolle spielen.

Die europäische Rechte ist politisch nicht einheitlich

Die Forderung nach einer stärkeren Zusammenarbeit rechter Parteien bedeutet nicht, dass diese Parteien bereits einen einheitlichen europäischen Block bilden.

Im Europäischen Parlament gehören unterschiedliche Parteien unterschiedlichen politischen Fraktionen an. Die AfD ist Teil der Fraktion Europa der Souveränen Nationen (ESN). Futuro Nazionale ist ebenfalls in diesem politischen Umfeld vertreten.

Im Juli 2026 leitete das Europäische Parlament zudem ein Verfahren ein, bei dem geprüft werden soll, ob die europäische Partei ESN die grundlegenden Werte der Europäischen Union einhält. Das Verfahren betrifft damit auch das politische Umfeld, in dem sich AfD und Futuro Nazionale bewegen.

Diese Entwicklung zeigt, dass die zunehmende Zusammenarbeit rechter Parteien gleichzeitig auf politischen Widerstand innerhalb der europäischen Institutionen stößt.

AfD sieht Chancen in internationaler Vernetzung

Für die AfD kommt die Zusammenarbeit mit Futuro Nazionale zu einem politisch wichtigen Zeitpunkt. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt konnte die Partei einen starken Erfolg erzielen. Auch bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern erreichte sie ein bedeutendes Ergebnis.

AfD-Co-Chef Tino Chrupalla erklärte Anfang September, seine Partei wolle nach dem Wahlerfolg mit anderen Parteien über mögliche politische Zusammenarbeit sprechen. Er sagte, die AfD werde Gesprächsangebote an alle Parteien richten.

Parallel dazu sucht die Partei Kontakte zu politischen Kräften außerhalb Deutschlands. Die Verbindung zu Futuro Nazionale bietet dabei eine Möglichkeit, die AfD stärker in ein europäisches Netzwerk rechter Parteien einzubinden.

Für Futuro Nazionale wiederum kann die Verbindung mit einer bereits etablierten deutschen Partei internationale Sichtbarkeit schaffen.

Konkurrenz innerhalb Italiens

Für Vannacci geht es allerdings nicht nur um europäische Zusammenarbeit. Futuro Nazionale steht auch im Wettbewerb mit etablierten Parteien der italienischen Rechten.

Besonders interessant ist das Verhältnis zu Giorgia Meloni und Matteo Salvini. Melonis Fratelli d’Italia führt die italienische Regierungskoalition an, während Salvini weiterhin eine zentrale Figur der Lega ist.

Futuro Nazionale versucht, Wähler anzusprechen, die eine noch stärker auf nationale Souveränität, Migration und traditionelle Werte ausgerichtete Politik wünschen.

Die Entwicklung könnte deshalb die Kräfteverhältnisse innerhalb des italienischen rechten Spektrums beeinflussen. Euronews bezeichnete Vannaccis Partei als einen Faktor, der die Diskussion über die Zukunft der italienischen Rechten und die bevorstehenden politischen Auseinandersetzungen verändert.

Eine neue Phase der europäischen Vernetzung?

Die Zusammenarbeit zwischen AfD und Futuro Nazionale ist deshalb mehr als ein einzelner gemeinsamer Auftritt. Sie zeigt, dass politische Parteien mit ähnlichen Positionen zunehmend versuchen, grenzüberschreitende Netzwerke aufzubauen.

Dabei geht es um Themen wie Migration, nationale Souveränität, die Rolle der Europäischen Union und gesellschaftspolitische Fragen. Gleichzeitig bleiben Unterschiede bei Außenpolitik, Wirtschaft und konkreten politischen Strategien bestehen.

Die Aussage, eine „europäische Rechte“ müsse sich vereinigen, ist daher zunächst vor allem ein politisches Ziel der beteiligten Akteure. Ob daraus tatsächlich eine dauerhaft koordinierte politische Bewegung entsteht, ist offen.

Für Deutschland und Italien könnte diese Entwicklung dennoch von Bedeutung sein. In Deutschland hat die AfD ihre Position in mehreren Bundesländern gestärkt. In Italien hat Futuro Nazionale innerhalb weniger Monate eine beachtliche öffentliche Präsenz aufgebaut.

Beide Parteien versuchen nun, aus ihrer nationalen Stärke eine internationale Zusammenarbeit zu entwickeln.

Blick auf die kommenden Jahre

Die nächsten Jahre dürften zeigen, wie belastbar diese Partnerschaft tatsächlich ist. Entscheidend wird sein, ob AfD und Futuro Nazionale gemeinsame Positionen auch bei konkreten europäischen Entscheidungen koordinieren können.

Migration und nationale Souveränität bieten bereits eine breite gemeinsame Grundlage. Schwieriger könnten Fragen werden, bei denen nationale Interessen auseinandergehen.

Auch das Verhältnis zu anderen konservativen und rechten Parteien wird eine Rolle spielen. In Italien muss sich Futuro Nazionale neben Melonis Fratelli d’Italia und Salvini’s Lega behaupten. In Deutschland bleibt die AfD mit der Frage konfrontiert, welche politischen Partner sie auf nationaler und europäischer Ebene gewinnen kann.

Der gemeinsame Auftritt von Jongen und Vannacci zeigt jedenfalls, dass beide Seiten ihre Zusammenarbeit sichtbar machen wollen. Sie sprechen von einer politischen Verbindung, die nationale Grenzen überschreiten soll, während sie gleichzeitig die Bedeutung nationaler Identitäten betonen.

Damit entsteht ein politisches Spannungsfeld: Die Parteien wollen stärker zusammenarbeiten, ohne die nationalen Unterschiede aufzugeben.

Ob daraus langfristig eine koordinierte europäische Allianz entsteht, wird von den weiteren politischen Entscheidungen der beteiligten Parteien abhängen. Sicher ist jedoch, dass die Verbindung zwischen AfD und Futuro Nazionale die wachsende Vernetzung rechter Parteien in Europa sichtbar macht. Sie ist zugleich Ausdruck eines breiteren politischen Wandels, bei dem Fragen wie Migration, nationale Souveränität und das zukünftige Verhältnis zwischen Nationalstaaten und Europäischer Union zunehmend miteinander verbunden werden.

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