Die AfD triumphiert in Mecklenburg-Vorpommern, die Linke siegt in Berlin. Die CDU stürzt ab. Parteichef Friedrich Merz will trotzdem weitermachen.
Der Wahlsonntag vom 20. September 2026 hat die politische Landschaft Deutschlands deutlich verändert. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD erstmals stärkste Kraft bei einer Landtagswahl in diesem Bundesland. In Berlin gewann die Linke deutlich und wurde stärkste Partei. Für die CDU endete der Wahlabend dagegen mit schweren Verlusten in beiden Ländern.
Besonders hart fiel das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern aus. Dort kam die CDU auf lediglich 4,9 Prozent und scheiterte damit erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde eines Landesparlaments. Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz bezeichnete das Ergebnis selbst als „Desaster“. Einen Rücktritt lehnte er jedoch ab. Er kündigte stattdessen an, als Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender weiterzuarbeiten und seinen Reformkurs fortzusetzen.
Damit steht die Union vor einer schwierigen politischen Phase. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die CDU mit dem wachsenden Einfluss der AfD im Osten und den Verlusten an andere Parteien umgehen will.
AfD wird stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern erreichte die AfD rund 38 Prozent und lag damit vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Die CDU fiel dagegen auf ein historisches Tief.
Das Ergebnis ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die AfD ihren Stimmenanteil gegenüber der vorherigen Landtagswahl erheblich steigern konnte. Damit ist sie nach Thüringen 2024 und Sachsen-Anhalt 2026 bereits in einem weiteren Bundesland stärkste politische Kraft geworden.
Die AfD kann aus ihrem Wahlsieg allerdings nicht automatisch eine Regierungsbeteiligung ableiten. Die anderen im Landtag vertretenen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit ihr ausgeschlossen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erklärte nach der Wahl, die AfD werde keine Regierung stellen können.
Für die Regierungsbildung bedeutet das: Obwohl die AfD die meisten Stimmen erhalten hat, hängt die zukünftige Landesregierung von den Gesprächen zwischen den anderen Parteien ab.
SPD hält sich in Mecklenburg-Vorpommern
Für die SPD war das Ergebnis trotz des zweiten Platzes ein wichtiger Erfolg. Manuela Schwesig konnte ihre Partei bei rund 35,5 Prozent halten und damit verhindern, dass die AfD eine Mehrheit im Landtag erreicht.
Die SPD hatte im Wahlkampf stark auf die Person Schwesigs gesetzt. Sie positionierte sich deutlich gegen die AfD und versuchte gleichzeitig, bundespolitische Themen von der Landespolitik zu trennen.
Schwesig hatte sich zudem von bestimmten Reformvorhaben der Bundesregierung distanziert, insbesondere wenn diese aus ihrer Sicht die finanzielle Belastung der Bevölkerung erhöhen könnten.
Das Ergebnis zeigt, dass die SPD in Mecklenburg-Vorpommern trotz der Stärke der AfD weiterhin über eine bedeutende Wählerbasis verfügt. Die bisherige Koalition aus SPD und Linken hat allerdings ihre Mehrheit verloren. Als mögliche Alternative gilt ein Bündnis von SPD, Linken und Grünen.
CDU erlebt historisches Debakel
Für Friedrich Merz ist vor allem das Abschneiden der CDU problematisch.
Die Partei erreichte in Mecklenburg-Vorpommern lediglich 4,9 Prozent. Damit verlor sie ihre Sitze im Landesparlament. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die CDU bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert und aus einem Landesparlament verschwindet.
Merz bezeichnete das Ergebnis als „Desaster“ und erklärte, es gebe nichts schönzureden.
Gleichzeitig zog er keine persönliche Konsequenz. Er kündigte an, als CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler weiterzumachen.
Merz begründete dies unter anderem mit den wirtschaftlichen Herausforderungen Deutschlands. Nach seiner Darstellung brauche das Land weitere Reformen in Bereichen wie Steuern, Rente, Gesundheitswesen und Bürokratieabbau.
Auch Berlin wird für die CDU zum Problem
Die zweite Wahl des Tages brachte für die CDU ebenfalls deutliche Verluste.
In Berlin wurde die Linke mit etwa 25 Prozent stärkste Kraft. Die CDU kam auf ungefähr 19 Prozent und landete damit hinter der Linkspartei. Die AfD erreichte rund 16 Prozent, während Grüne und SPD ebenfalls im zweistelligen Bereich lagen.
Damit verlor die bisherige Koalition aus CDU und SPD ihre Mehrheit.
Für die Linke eröffnet sich dagegen die Möglichkeit, die nächste Berliner Landesregierung anzuführen. Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigte noch am Wahlabend an, Regierende Bürgermeisterin werden zu wollen.
Eine mögliche Regierungsbildung könnte ein Bündnis aus Linken, SPD und Grünen umfassen. Ob diese Konstellation tatsächlich zustande kommt, hängt von den kommenden Koalitionsverhandlungen ab.
Die Linke profitiert von sozialen Themen
Der Erfolg der Linken in Berlin ist auch mit ihrem Wahlkampfschwerpunkt auf Mieten und Wohnkosten verbunden.
Elif Eralp stellte die angespannte Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt in den Mittelpunkt ihrer Kampagne. Die Linke forderte unter anderem mehr sozialen Wohnungsbau und stärkere Eingriffe in den Wohnungsmarkt.
Eralp verwies nach der Wahl auch auf den Erfolg des linken Politikers Zohran Mamdani in New York und erklärte, ein Wahlsieg einer linken Partei sei auch in Berlin möglich.
Mit rund einem Viertel der Stimmen wurde die Linke erstmals stärkste Kraft im Berliner Abgeordnetenhaus. Damit steht die Partei nun vor der Aufgabe, aus ihrem Wahlerfolg eine tragfähige Regierungsmehrheit zu bilden.
Die AfD gewinnt auch in Berlin hinzu
Während die Linke in Berlin den größten Stimmenzuwachs verzeichnete, konnte auch die AfD ihre Position verbessern.
Mit etwa 16 Prozent erreichte sie ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Damit ist die Partei deutlich stärker als bei früheren Wahlen in der Hauptstadt.
Das Ergebnis zeigt damit eine politische Verschiebung an beiden Seiten des Parteienspektrums.
Während die Linke in Berlin stärkste Kraft wurde, gewann die AfD gleichzeitig weiter hinzu. Die klassischen Parteien der politischen Mitte – insbesondere CDU und SPD – verloren dagegen an Unterstützung.
Merz will seinen Reformkurs fortsetzen
Trotz des schlechten Abschneidens der CDU sieht Merz keinen Grund, seine politische Strategie aufzugeben.
Er argumentiert, Deutschland stehe vor tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen. Die deutsche Industrie kämpft mit schwachem Wachstum, hohen Energiekosten und zunehmendem internationalen Wettbewerb.
Merz sieht deshalb Reformen als notwendig an. Dazu gehören Veränderungen bei der Altersvorsorge, im Gesundheitswesen und bei der Steuerpolitik.
Nach dem Wahlabend erklärte er, die Reformen müssten trotz des politischen Widerstands weitergeführt werden. Er wolle als Kanzler und Parteivorsitzender Verantwortung übernehmen.
Damit stellt Merz seine politische Zukunft unmittelbar mit der Umsetzung dieser Reformagenda in Verbindung.
Innerhalb der CDU wächst der Druck
Die Wahlergebnisse dürften dennoch zu weiteren Diskussionen innerhalb der CDU führen.
Die Partei verlor in Mecklenburg-Vorpommern mehr als die Hälfte ihrer bisherigen Unterstützung und scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. In Berlin verlor sie ebenfalls deutlich und musste die Position als stärkste Kraft abgeben.
Bereits vor den Wahlen war Merz nach dem starken Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt unter Druck geraten. Dort hatte die AfD ebenfalls ein historisches Ergebnis erzielt.
Die jüngsten Wahlergebnisse verstärken deshalb die Diskussion über die politische Strategie der Union.
Allerdings gibt es derzeit keine formelle Führungsherausforderung gegen Merz. Auch nach den Wahlen wurde kein konkreter Nachfolger präsentiert. Die CDU steht somit vor einer politischen Diskussion, ohne dass daraus unmittelbar ein Wechsel an der Parteispitze folgt.
Das Problem der AfD-Strategie
Für die CDU stellt die AfD mittlerweile eine zentrale politische Herausforderung dar.
In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD deutlich vor der CDU. In Sachsen-Anhalt erzielte sie bereits zuvor ein sehr starkes Ergebnis. Auch in Berlin konnte sie ihren Stimmenanteil ausbauen.
Die Union muss deshalb entscheiden, wie sie auf diese Entwicklung reagiert.
Dabei stehen unterschiedliche Fragen im Mittelpunkt: Soll die CDU ihre politischen Positionen stärker konservativ ausrichten? Wie kann sie Wähler zurückgewinnen, ohne ihre Abgrenzung zur AfD aufzugeben? Und wie kann sie gleichzeitig ihre traditionelle Rolle als große bürgerliche Partei behaupten?
Merz hat bisher auf eine Kombination aus konservativer Politik, wirtschaftlichen Reformen und klarer Abgrenzung zur AfD gesetzt.
Die Wahlergebnisse zeigen jedoch, dass diese Strategie zumindest in den beiden betroffenen Ländern nicht zu einem besseren CDU-Ergebnis geführt hat.
Eine schwierige politische Ausgangslage
Für die Bundesregierung ist der Wahlabend deshalb ebenfalls von Bedeutung.
Merz regiert auf Bundesebene gemeinsam mit der SPD. Beide Parteien mussten bei den Wahlen in unterschiedlichem Ausmaß Verluste hinnehmen. Gleichzeitig konnten Parteien an den politischen Rändern beziehungsweise außerhalb der traditionellen Regierungsparteien deutliche Gewinne erzielen.
Das erschwert die politische Kommunikation der Bundesregierung.
Reformen können wirtschaftlich begründet werden, verursachen aber teilweise kurzfristige Belastungen. Gleichzeitig erwarten viele Bürger angesichts hoher Wohn-, Energie- und Lebenshaltungskosten konkrete Entlastungen.
Merz argumentiert, dass Deutschland ohne Veränderungen wirtschaftlich weiter zurückfallen könnte. Kritiker seiner Politik verweisen dagegen auf die Belastungen, die bestimmte Reformen für Haushalte und Arbeitnehmer mit sich bringen.
Diese unterschiedlichen Einschätzungen werden die politische Debatte in den kommenden Monaten prägen.
Was die Wahlen für Deutschland zeigen
Die beiden Wahlen vom 20. September 2026 haben unterschiedliche Gewinner hervorgebracht.
In Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD stärkste Kraft, während die SPD den zweiten Platz belegte. In Berlin gewann die Linke deutlich vor der CDU.
Gemeinsam ist beiden Wahlen jedoch die Schwäche der CDU.
Die Partei des Bundeskanzlers verlor in zwei wichtigen Ländern erheblich an Unterstützung. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte sie sogar erstmals an der Fünf-Prozent-Hürde.
Friedrich Merz bezeichnete das Ergebnis als „Desaster“, kündigte aber gleichzeitig an, weiterzumachen und seine Reformpolitik fortzusetzen.
Damit ist die Führungsfrage innerhalb der CDU vorerst nicht entschieden.
Entscheidend wird sein, wie die Partei auf die Ergebnisse reagiert und ob Merz innerhalb der Union weiterhin ausreichende Unterstützung für seinen Kurs erhält.
Ein neuer politischer Abschnitt
Der Wahlsonntag markiert damit einen wichtigen Moment in der deutschen Politik.
Die AfD hat in Mecklenburg-Vorpommern erstmals Platz eins erreicht. Die Linke ist in Berlin stärkste Kraft geworden. Die CDU hat in beiden Ländern deutlich verloren.
Für Friedrich Merz beginnt damit eine neue politische Bewährungsphase. Er hat sich klar dafür entschieden, nicht zurückzutreten, sondern seine Arbeit als Bundeskanzler und CDU-Chef fortzusetzen.
Ob sein Reformkurs innerhalb der Bundesregierung und der CDU genügend Unterstützung findet, wird sich an den politischen Entscheidungen der kommenden Monate zeigen.
Fest steht bereits jetzt: Die Wahlergebnisse haben die Kräfteverhältnisse in zwei deutschen Bundesländern erheblich verändert. Sie zeigen zugleich, dass die etablierten Parteien vor einer zunehmend fragmentierten politischen Landschaft stehen.
Für die CDU wird die zentrale Aufgabe darin bestehen, auf diese Veränderungen zu reagieren. Für Merz wiederum geht es darum, seine Bundesregierung handlungsfähig zu halten und gleichzeitig die Unterstützung innerhalb der eigenen Partei zu sichern.
Der Wahlabend ist damit nicht das Ende der politischen Auseinandersetzung, sondern der Beginn einer neuen Phase.
